Deutsche Bahn und Sektkorken

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Wie schrieb es schon „Eckart von Hirschhausen“: Die deutsche Bahn ist eine Sekte und Kabarattist Dieter Nuhr schloss sich an. Als Kunde der Bahn kann ich nur sagen: Verlassen Sie sich auf alles, nur nicht auf die Bahn. Verspätungen, fehlende Bordrestaurants – und das, wenn Sie gerade in der Bahn am Tisch des Viererplatzes arbeiten und nun endlich Kaffee bunkern wollen. Neben den falschen Wagennummern, die keinen Sitzplatz finden lassen, kommt aber zum Glück ein Rumäne auf der Durchreise, setzt sich dazu und bietet mir ordentlich selbst gemachte Pizza, Tomaten und Gurken, während der rot gestreifte Zug an neuen Solaranlagen vorüber“zuckt.“

Jahreszeitenwechsel: Fahren Sie niemals mitten im Winter mit der Bahn. Ich stand bereits erwartungsvoll am Bahnsteig und musste feststellen, die Züge fallen aus, weil die Leitungen gerade Eiszeit haben. Das ist bedauerlich, wenn gerade sehnsüchtig auf EINEN gewartet wurde und die Vereinsamung am Bahnsteig eintritt nebst grimmiger Gesichter und ein paar Skin Heads, die mir einen „Guten Tag“ wünschen und ehrlich gesagt zum Teil freundlicher sind, wie manch ein genervter Bahnkunde. Sitzen Sie aber erst einmal in der Bahn im Comfort-Sitz, wird vor Ihnen genörgelt, dass Sie bitte das Rollo unten lassen sollten, denn der sonnenempfindliche „Vorrunden-Sitzer“ hat keine Lust, sich mit der Sonne anzufreunden, was dann nicht über das tunnelähnliche Gemüt verwundern lässt. Vor lauter Freude, dass es nun doch ein Bordrestaurant gibt, vergesse ich die Nörglerin und hole mir erst mal ordentlich Schmackhaftes aus der kleinen, wackligen ICE-Küche, in der ich niemals arbeiten wollen würde, keinen beneide und überdimensional, so lang wie der ganze Zug in 14 Waggons zieht; froh bin, Bücher und Texte schreiben zu dürfen. Für ein Publikum, dass danach nicht schlecht gelaunt ist. Am nächsten Bahnhof angekommen, möchte ich gerne umsteigen und höre vom Ende eines Mitmenschen, weshalb der Zug jetzt erst einmal eine Stunde irgendwo in Ingolstadt am Frühabend rumsteht, während ein anderer für andere Menschen „abgefahren“ ist.

Martina Zimmermann, Texterin & Autorin

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