Euro bald auf Dollarkurs ?

IMG_1498[1]Das Ende des Monats Juli 2014 bezeichnete gleichermaßen den Anfang einer Abwertungsspirale, die sich bis heute fortsetzt. Damals begann eine Veränderung des Wechselkurses zwischen Euro und USD, die in dieser Form seit der Einführung des Euros noch nie erfolgte. Natürlich waren im Wechselverhältnis der beiden großen Leitwährungen immer mal stärkere Ausschläge nach unten oder nach oben zu verzeichnen, so etwa Mitte des Jahres 2010, als der Euro kurzfristig unter die 1,20 USD-Grenze rutschte genauso wie sein Wert im Jahr 2008 mit dem Platzen der US-Immobilien-Blase auf über 1,50 USD stieg. Im Großen und Ganzen hielt sich der Euro gegenüber dem Dollar aber immer über der 1,20 USD-Grenze und im Zeitverlauf von 2013 bis zum Absinken der Währung 2014 ständig über der 1,30 USD-Marke. Der aktuelle Kursverfall zeichnet sich zum einen durch den langen Zeitraum aus, in dem der Euro an Wert gegenüber dem Dollar verliert, und zum anderen durch den Verlust selbst. Zu Anfang Februar 2012 beträgt das Wechselverhältnis 1 Euro zu 1.12 USD. Innerhalb von nur sechs Monaten verlor der Euro 24 Eurocent an Wert.

Warum sinkt der Euro gegenüber dem USD?

Der Grund für diesen Kursverlust ist in mehreren Faktoren zu suchen, die sich sowohl auf politischer wie wirtschaftlicher Ebene abspielen. Dazu kommt ein Faktor, der im wirtschaftlichen und politischen Alltag immer eine große Rolle spielt, aber nicht auf belegbaren Fakten beruht, sondern auf Gerüchten und Spekulationen.
Der Start zum zunächst stärker werdenden Dollar waren die Angaben der US-Wirtschaft über eine sich schnell erholende Konjunktur im US-Wirtschaftsraum. Zum gleichen Zeitpunkt kämpfte und kämpft Europa mit mehreren Problemen. Einmal die Ukraine-Krise, die sich quasi vor der Haustüre des europäischen Wirtschaftsraums abspielt, dann die nach wie vor anhaltende Krise im Haushalt von Griechenland. Andere Krisenländer wie Spanien oder Portugal zeigen zwar Verbesserungen in der Konsolidierung ihrer Haushalte an, müssen aber trotzdem noch mit großen Problemen wie etwa der hohen Jugendarbeitslosigkeit kämpfen.
Diese bestehenden wirtschaftlichen Krisen, die nach wie vor Teil der 2008 ausgelösten Weltwirtschaftskrise sind, veranlassen die europäische Zentralbank zu einer extremen Niedrigzinspolitik sowie dem im Januar 2015 beschlossenen Ankauf von Staatsanleihen europäischer Staaten in einem Umfang von 60 Milliarden Euro monatlich. Das dieser für eine Notenbank eher ungewöhnliche Schritt kommt, war schon viele Monate zuvor Teil der Gerüchteküche und beruhte auf Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi. Doch die dazu notwendigen frischen Euro-Noten sind nicht wirklich das Problem, denn der Wechselkurs zwischen Euro und USD beruht nicht auf der jeweiligen vorhandenen Geldmenge. Vom USD sind weit mehr Banknoten im Umlauf wie vom Euro. Vielmehr kündigte die Präsidentin der FED, dem amerikanischen Gegenstück zur EZB, in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 aufgrund der guten US-Konjunkturaussichten ein Ende der Niedrigzinspolitik an. Diese gute US-Konjunktur beruht wiederum auf einem stetig sinkenden Ölpreis. Dieser ergibt sich hauptsächlich aus der Förderung von Erdgas und Erdöl mittels der Fraking-Methode, wodurch sich die USA praktisch unabhängig von Öl-Importen machte.

Wie sind die Aussichten?

Der Gewinn der USA aus der Unabhängigkeit von Ölimporten wird der US-Konjunktur noch einige Zeit helfen, den für die USA so wichtigen Binnenmarkt zu beleben. Mit diesem Vorteil kann Europa aufgrund unterschiedlicher Gesetzgebungen der Staaten nicht aufwarten. Andrerseits bieten die großen Ölförderstaaten wie Saudi-Arabien das Barrel Rohöl bester Sorte inzwischen zum Spottpreis an. Das Fracking ist eine wesentlich teurere Methode, jedoch verbrauchen die Amerikaner ihr Öl hauptsächlich im eigenen Land und exportieren nicht. Aufgrund dessen ist es durchaus möglich, dass im Laufe des Jahres 2015 zwischen den beiden Währungen ein Gleichstand entsteht. Das billige Öl verhilft nun aber auch Europa zu besserer Wirtschaftlichkeit und der Vorteil der Eigenproduktion mittels teurer Fracking-Methoden könnte sich für die USA ins Gegenteil verkehren. Das bezieht sich jedoch hauptsächlich auf den Exportmarkt und der ist für Europa wesentlich wichtiger als für die USA mit ihrem sehr homogenen Binnenmarkt.