Gehaltsunterschiede bei Mann und Frau bestehen weiter

Q.pictures  / pixelio.de
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Seit über vier Jahren liegen die weiblichen Einkommen durchschnittlich 22 Prozent unter dem Gehalt der Männer. Frauen erhielten beispielsweise 2013 gut 15,50 Euro, Männer fast 20 Euro Stundenlohn. Der Osten Deutschlands schneidet mit einstelligen Unterschieden sehr viel besser ab als der Westen mit deutlich mehr als 20 Prozent. Dass selbst der Staat weibliche und männliche Angestellte unterschiedlich bezahlt, lässt politische Absichtserklärungen bestenfalls wie Lippenbekenntnisse erscheinen.

Es passiert zu wenig

Die Lohnunterschiede werden bezüglich weiblicher Arbeitskräfte auf Aspekte wie mehr Teilzeit, weniger qualifizierte Berufe, eine insgesamt andere Ausbildungs- und Berufswahl, mehr Ausfälle beziehungsweise Auszeiten und weniger Führungspositionen bezogen. So betrugen beispielsweise 2011 die Gehaltsunterschiede in den Bundesländern mehrere Tausend Euro jährlich zuungunsten weiblicher Belegschaften. Rein statistisch müssten Frauen 79 Tage pro Jahr länger arbeiten als Männer, um dasselbe Gehalt zu bekommen. Damit liegt Deutschland mit an der negativen Spitze in Europa. Weltfrauentag, Equal Pay Day und die Organisation Business and Professional Women erzielen mit ihren Veröffentlichungen eine kurze Aufregung in Politik und Gesellschaft, aber keine nennenswerten Änderungen.

Schweigethema Gehalt

Tatsache ist allerdings auch, dass Frauen weiterhin in gleicher Position in derselben Firma weniger Gehalt erhalten als männliche Kollegen. Da es in deutschen Landen, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, gesellschaftlich eher als unschicklich gilt, über individuelle Löhne und Gehälter zu reden, und dieser Grundsatz innerhalb eines Unternehmens unter den Kollegen ebenfalls eingehalten werden soll, wissen viele Frauen nicht einmal, wie viel ihre Kollegen verdienen – umgekehrt mag das natürlich durchaus auch der Fall sein, sofern die Unternehmensleitung dazu nicht gegenüber manchem männlichen Angestellten absichtlich oder versehentlich Andeutungen fallen lässt.

Stehen neben dem reinen Tarifverdienst Zusatzleistungen zur Auswahl oder zahlt die Firma übertarifliche Leistungen, bleiben Grauzonen oder vielmehr schwarze Löcher, in denen recht große Spannen möglich sind. Dass Frauen für eine adäquate Anerkennung gleichzeitig oft deutlich mehr leisten müssen, nicht in interne Seilschaften eingebunden sind und bei gleicher Qualifikation weniger Führungsaufgaben übertragen bekommen, verschärft die Lage zusätzlich.

Was lässt sich ändern?

Biologische Prozesse lassen sich nicht einfach ändern – immer noch bekommen Frauen die Kinder, die in der Zukunft tragende Säulen für die Wirtschaft werden sollen -, doch ein Umdenken im Kopf ist ebenso möglich wie nötig, und zwar bei den Frauen selbst sowie bei Kollegen, Vorgesetzten und Gesellschaft. Es herrschen trotz aller Modernität oft genug klassische Traditionsmodelle vor: für Arbeit generell, Berufswahl und Verdienst, Nachwuchsplanung und Familienzeiten, Zuständigkeiten in einem Innen und Außen – immer noch kochen, um ein Klischee zu bemühen, qualifizierte Frauen den Kaffee für Besprechungen oder Vorgesetzte. Frauenquoten helfen zu all diesen Themen wohl kaum.