Vermögensabgabe könnte Staatsverschuldung in Europa senken

© M. Schuppich - Fotolia.com
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Der Internationale Währungsfonds hat in seinem Fiskalbericht „Taxing Times“ erstmals die Möglichkeit einer Vermögensabgabe für Sparer diskutiert und damit für großes Aufsehen gesorgt. Den Finanzexperten zufolge könnte eine Abgabe in Höhe von zehn Prozent dafür sorgen, dass die Staatsverschuldung im Euro-Raum deutlich reduziert und mögliche Risiken hieraus begrenzt werden könnten.

Die Staatsverschuldung und ihre Risiken

Dass Staaten Kredite aufnehmen, um Investitionen zu finanzieren oder Ausgaben bewältigen zu können, ist per se nicht negativ. Die drastisch gestiegene Staatsverschuldung der vergangenen Jahre ist aus Sicht des IWF allerdings besorgniserregend. Wie die aktuellen Zahlen zeigen, beträgt etwa die Staatsverschuldung der 17 EU-Länder bereits 8,75 Billionen Euro und damit durchschnittlich 90 Prozent des BIP. Sogar in Deutschland entspricht die Verschuldung von 2,2 Billionen Euro gut 86,2 Prozent des BIP. Die anvisierte Staatsverschuldung in Europa in Höhe von 60 Prozent ist damit weit übertroffen. Ein gleiches Bild zeigt sich in den USA. Hier wurden Schulden von gut 17,3 Billionen US-Dollar angehäuft, was einer Schuldenbelastung von 108 Prozent des BIP entspricht. Vielen Ländern ist es trotz hoher Einsparungen und extremer Niedrigzinsen mittlerweile nicht mehr möglich, die Schulden zu senken. Der IWF schlägt deshalb vor, eine Zwangsabgabe auf privates Vermögen zu prüfen, die für die Schuldenreduzierung verwendet werden kann.

Die Pläne des IWF im Detail

Im fast 100 Seiten umfassenden Bericht über die Staatsverschuldung spricht der Internationale Währungsfonds nicht nur von den enormen Risiken, die diese Verschuldung mit sich bringt. Die Washingtoner Finanzexperten nehmen in ihrem Bericht erstmals auch eine mögliche Lösung der Schuldenkrise auf, die zwar von vielen Protagonisten bereits befürchtet, bisher aber noch nie ausgesprochen wurde. Gemeint ist eine „Zwangsabgabe für Privatvermögen“, und zwar in Höhe von zehn Prozent. Betroffen wären somit alle Sparer, die bei Banken und Sparkassen über Guthaben und Einlagen oder aber über Aktien und Immobilien verfügen. All diese Vermögenswerte würden schließlich addiert, um die individuelle Steuerbelastung zu ermitteln. Ein Entkommen scheint hier unmöglich, denn nahezu alle Vermögenswerte werden digital erfasst und sind damit in recht wenigen Schritten nachvollziehbar.

Was Sparer tun können

Wie bereits erwähnt, wären alle Sparer von einer solchen Vermögensabgabe betroffen. Eine solche Enteignung ist sogar gesetzlich fixiert, denn im Artikel drei des Grundgesetzes wird diese „zum Wohle der Allgemeinheit“ ermöglicht. Sparer dürfen eine solche Vermögensabgabe aber nicht einfach hinnehmen, sondern sollten schon VORHER etwas tun. Gemeint ist eine Strukturierung der Geldanlage, denn die derzeitige Niedrigzinspolitik sorgt dafür, dass gerade Wertanlagen wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle überdurchschnittlich profitieren und hohe Renditen erwirtschaften. Hierauf weist Finanzexperte Tim Schieferstein, der Geschäftsführer der Fondsvermittlung24.de Geschlossene Beteiligungen GmbH tätig ist. Er zeigt auf, dass Anleger, die schon jetzt in diese Assetklassen investieren, ihr Vermögen überdurchschnittlich mehren können und so von einer möglichen Zwangsabgabe kaum betroffen wären.