Welche Vorsorgeprodukte stehen den Deutschen zur Verfügung?

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75 Prozent der Deutschen sind sich sicher, dass sie im Rentenalter deutlich weniger Geld zur Verfügung haben werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gesetzliche Altersvorsorge ein sorgenfreies Leben garantiert, ist – für zwei Drittel der Arbeitnehmer – „sehr gering“. Doch muss der Deutsche die mögliche Altersarmut akzeptieren oder gibt es, neben der betrieblichen Altersvorsorge und geförderten Sparformen (Rürup oder Riester), weitere Möglichkeiten, damit die Rentenjahre doch noch genossen werden können? Das wichtigste Standbein ist natürlich die gesetzliche Rente. Die Auszahlung der Rente ist sicher, jedoch ist die Höhe von den kommenden Jahren abhängig. Die Höhe und Dauer der Einzahlungen, die Länge der Arbeitslosigkeit oder Karrieresprünge sind entscheidend und können sich positiv und auch negativ auf die Rentenzahlungen auswirken.

Die betriebliche Altersvorsorge

Seit dem Jahr 2002 gibt es einen Rechtsanspruch auf die betriebliche Altersvorsorge. In den größeren Unternehmen gibt es Versorgungswerke und Pensionskassen. Aber auch kleinere Unternehmen müssen bereits Sparpakete für ihre Mitarbeiter anbieten. So etwa über eine externe Geldanlage oder auch eine Direktanlage, die über das Unternehmen erfolgt. Der Arbeitnehmer kann maximal 4 Prozent des Bruttogehalts, jedoch nur bis zu der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze (48.600 Euro/Jahr), anlegen. Der Vorteil einer betrieblichen Altersvorsorge? Da die veranlagte Summe vom Bruttoverdienst gezahlt wird, senkt der Anleger seine Sozialabgaben und Steuerlast. Zu beachten ist natürlich die Sparform: Jeder Prozentpunkt wirkt sich – aufgrund des Zinseszinseffektes – überproportional auf die künftige Rente aus. Wer daher rund 30 Jahre lang spart und pro Monat 200 Euro von seinem Bruttoverdient anlegt, wobei die Summe mit 3 Prozent verzinst wird, erhält am Ende rund 116.000 Euro. Wird die veranlagte Summe aber mit 5 Prozent verzinst, so stehen am Ende etwa164.000 Euro zur Verfügung.

Die staatlich geförderten Sparformen

Es gibt auch staatliche geförderte Sparformen – so die Rürup- oder Riester-Rente. Derzeit gibt es rund 16 Millionen Riester-Verträge. Der Staat versorgt den Anleger mit einer Grundzulage von 154 Euro/Jahr; pro Kind werden 185 Euro bezahlt, wobei der Staat für Kinder, die erst nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden, sogar 300 Euro zahlt. Der Riester-Sparer muss 4 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens investieren; die Mindestsumme beläuft sich auf 60 Euro/Jahr. Alle rentenversicherungspflichtigen Beschäftigen, so also Arbeitnehmer oder auch Bezieher von Arbeitslosengeld, haben ein Recht auf die Riester-Förderung. Gespart wird mit Fonds, Rentenversicherungen, Bank- und Bausparverträgen oder Immobilien.
Selbstständige und Freiberufler können keine Riester-Rente abschließen. Dennoch werden sie vom Staat unterstützt. Diesen Personengruppen steht nämlich die Rürup-Rente zur Verfügung. Der Sparer kann drei Viertel seiner Beiträge von den Steuern absetzen; die Höchstgrenzen liegen bei 20.000 Euro/Jahr für Alleinstehende und bei 40.000 Euro/Jahr für Verheiratete. Rürup-Renten werden aber immer wieder von Verbraucherschützern kritisiert, da diese – wenn der Anleger kein hohes Alter erreicht – nur einen geringen Gewinn mit sich bringen. Des Weiteren können sie nicht beliehen oder vererbt werden. Daher sind viele Selbstständige oft besser unterwegs, wenn sie sich für private Rentenversicherungen oder für Aktiensparpläne entscheiden.

Sind Aktien eine Alternative?

Besonders hohe Gewinnen können über Aktienfonds erzielt werden. Folgt man den Statistiken des BVI, des „Deutschen Fondsverbands“, konnten Anleger, die in den letzten 35 Jahren in Aktien investiert haben, ein jährliches Durchschnittsplus 7,7 Prozent erzielen. Wer sich also 1982 für Aktien entschieden hat und monatlich 100 Euro investierte, könnte sich heute über 202.000 Euro freuen. Natürlich gilt auch hier: Je höher die möglichen Renditen, desto höher natürlich auch die Risiken – es gibt keine Garantie, dass die Aktien hohe Gewinne bringen; des Weiteren sollte sich der Anleger auch im Vorfeld über die einzelnen Positionen informieren, sodass er hohe Verluste (oder sogar den Totalverlust) abwenden kann. Zudem sollte der Anleger nicht nur auf Aktien setzen, sondern nebenbei Produkte abschließen, die zwar nicht unbedingt einen hohen Gewinn versprechen, aber zu 100 Prozent sicher sind.

Die private Rentenversicherung

Eine Absicherung kann die private Rentenversicherung. Die private Altersvorsorge ist extrem sicher, steht aber nicht für attraktive Gewinne. Das liegt vor allem an der Niedrigzinsphase, die schon seit Jahren an den Verträgen nagt. Garantie Zinssätze gibt es kaum noch; wenn garantierte Zinssätze dennoch angeboten werden, dann sind diese Zinssätze derart gering, dass der Anleger weiß, dass er nicht nur auf das Pferd der privaten Rentenversicherung setzen sollte, wenn er sich einen luxuriösen Rentenabend erhofft.

Lohnt sich eine Lebensversicherung?

Eine weitere Möglichkeit ist die Lebensversicherung. Die Lebensversicherung ist ein klassisches Produkt, das gerne als Ergänzung zu anderen Vorsorgeprodukten abgeschlossen wird. Zudem eignet sich die Lebensversicherung auch für den sehr kleinen Geldbeutel. Natürlich sind die Konditionen – je nach Anbieter – zu hinterfragen: Auch bei der Lebensversicherung gibt es kaum noch hohe Gewinne; am Ende überwiegt die Laufzeit, die gut und gerne 30 Jahre betragen kann. Wird der Vertrag vorzeitig gekündigt, verliert der Anleger am Ende sogar noch einen Großteil seiner Zinserträge.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Doch es gibt auch Vorsorgeprodukte für Arbeitnehmer, sofern diese gar nicht bis zum regulären Rentenantritt arbeiten können. Eine derartige Vorsorge ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese Versicherung bezahlt eine monatliche Rente, sofern der Versicherte den zuletzt ausgeübten Beruf, aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung, nicht mehr ausüben kann. Die Versicherungsleistung gibt es auch, wenn der Arbeitnehmer einen anderen Beruf ausüben könnte. Es spielt keine Rolle, warum der Arbeitnehmer berufsunfähig wurde. Berufsunfähigkeitsversicherungen eignen sich für Erwerbstätige, die nicht auf das Einkommen verzichten können (vorwiegend Alleinverdiener), für Selbstständige, da diese oft gar keine gesetzliche Versicherung haben und für Berufsanfänger, da diese noch relativ günstige Versicherungsbeiträge bezahlen müssen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann als selbstständige Versicherung oder auch als Zusatzversicherung zu einer Risiko- oder Kapitallebens- oder auch Rentenversicherung abgeschlossen werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nicht als Beratungsersatz. Bitte erkundigen Sie sich bei einer fachkundigen Stelle.